Chronik 1869 – 1914
Die Schützengesellschaft „St. Andreas zu Velmede“ 1869 – 1926
1869 – 1882
Mitgliedsverzeichnis 1869











Nachdem Pfarrer Franz Padberg während der Jahreshauptversammlung am 28. Juni 1869, dem Vorabend des Festtags der Heiligen Peter und Paul, den Vorschlag unterbreitete, den Pachtvertrag für den Festplatz für weitere 10 Jahre zum Pachtzins von 9 Thaler pro Jahr zu verlängern, überraschte er die 140 Sankt Sebastianus-Schützen damit, dass er diese Entscheidung allerdings davon abhängig mache, dass die Schützenbruderschaft zukünftig den Heiligen Andreas zum Schutzpatron wählen und künftig den Namen des Kirchenpatrons tragen sollte. Bereits zwei Tage später stimmten die Schützenbrüder während des Schützenfestes nach dem Hochamt der Änderung des Vereinsnamens in „Schützengesellschaft St. Andreas zu Velmede“ mit äußerst knapper Mehrheit zu. Viele Schützenbrüder fühlten sich von Pfarrer Padberg überrumpelt und nahmen erst gar nicht am Wahlgang teil. Noch im gleichen Jahr wurde eine neue Männer-Fahne bei Friedrich Casazetto in Krefeld für 97 Thaler in Auftrag gegeben. Die Fahne aus Seide zeigt ein Bildnis des Heiligen Andreas und wurde den Schützen bei ihren Festen bis 1966 vorangetragen. Sorgsam hinter Glas verwahrt schmückt sie heute die Schützenhalle. Sie trägt die Inschrift „“St. Andreas Schützengesellschaft“.



Dank des nun langfristigen Pachtvertrags für ihren Festplatz konnte der Vorstand für das Schützenfest 1870 einen langgehegten Wunsch in die Tat umsetzen. Bei der Fa. Müller in Münster wurden zwei eigene Zelttücher für 210 Thaler erworben. Diese Investition sollte sich schon bald rechnen, denn durch den Verleih der Zeltplanen nach Meschede, Ramsbeck, Antfeld, Ostwig, Andreasberg, Gevlinghausen, Dörnberg und Altenbüren erwirtschaftete die Schützengesellschaft bis 1875 bereits über 350 Thaler. So war es möglich, bei der Fa. Buchmann in Dortmund für 100 Thaler Tische und Bänke zu bestellen. Der Velmeder Schreiner Wilhelm Humpert wurde beauftragt, eine Trinkhalle mit Lagerschuppen und eine Eingangspforte zum Festplatz zu bauen, deren Kosten der neue Schützenkönig Gerhard Kanzler, ein Unternehmer beim Bau der Eisenbahn, übernahm. Groß war die Freude, dass die Dorfbewohner nun im eigenen Festzelt feiern konnten.

Es zeigt Josef Kohle, hinten rechts, im Kreis seiner Kameraden der preußischen Landwehr während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71
Doch die Festtagsfreude nach dem Schützenfest 1870 dauerte nicht lange. Nur wenige Tage später zogen Deutsche und Franzosen gegeneinander in den Krieg. Unter den rekrutierten Soldaten befanden sich auch eine Reihe Velmeder Männer zwischen 18 und 45 Jahren. Der Krieg, in dem der Schützenbruder Anton Schnier sein Leben ließ, begann mit einem im Prinzip schlichten Telegramm. Die sogenannte „Emser Depesche“ sorgte für den Konfliktstoff, nach dem Frankreich und Preußen seit langer Zeit gesucht hatten. Am 19. Juli 1870 erging die französische Kriegserklärung, bald marschierten Hunderttausende Soldaten gegeneinander auf. Preußen suchte den Konflikt mit Europas kampfstärkster Armee. In den Schlachten bei Gravelotte am 17. August und bei Sedan am 1. und 2. September, sowie bei den Belagerungen von Metz im August und von Paris zwischen dem 15. September 1870 und dem 28. Januar 1871 starben Zehntausende. Am 18. Januar 1871 wurde der Preußenkönig Wilhelm I. im Spiegelsaal in Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert, am 28. Januar 1871 kapitulierte Frankreich. Nach dem Vorfrieden von Versailles endete der Deutsch-Französische Krieg mit dem Frieden von Frankfurt offiziell am 10. Mai 1871. Der bisherige „Norddeutsche Bund“ mündete nach der Einigung der deutschen Länder im „Deutschen Reich“.
Nach der Reichseinigung orientierte sich der weitaus größte Teil der Schüt-zenbruderschaften und –vereine an der konservativ-militärisch geprägten Leitkultur des neuen Kaiserreiches. Besonders in Preußen wurden sie zu den tragenden Säulen der Übernahme von militärischen Mentalitäten und Verhaltensmustern in weiten Teilen der Zivilgesellschaft. Überall dort, wo Schützenvereine in der Öffentlichkeit in Erscheinung traten, bemühten sie sich nun, den Geist der Armee zu verbreiten. Auch in Velmede bediente sich Hauptmann von Stockhausen während des Schützenfestes 1871 nun militärischer Kommandos. Zum Ende des „Gelages“ kommandierte er erstmals den großen Zapfenstreich, den die Festkapelle Förster gemeinsam mit dem Velmeder Tambourchorps intonierte. Noch am gleichen Abend beschlossen die Schützen, dass die feierliche Abendmusik des Militärs nun zum festen Bestandteil des Schützenfestes werden sollte. In Anlehnung an die besondere Ehrenbezeugung und feierliche Abendmusik des Militärs wurde vorwiegend in Preußen und Norddeutschland ab 1836 die Zeremonie des großen Zapfenstreiches zu Ehren der Schützenmajestäten als ein besonderer Höhepunkt des Schützenfestes im Festablauf verankert und nimmt bis heute auf dem Schützenfest in Velmede-Bestwig eine besondere und herausragende Stellung ein. Diese stimmungsvolle, festliche Abendmusik mit ihrer fest reglementierten Abfolge von Trommel- und Pfeifenstücken, Reitersignalen und dem „Gebet“ trägt die beiden großen, ungebrochenen Traditionen deutscher Militär- und Schützenmusik in sich. Trommeln und Pfeifen erinnerten an das „ Spil“ der Stadtpfeiferkapellen, Trompeten und Pauken an die Reiterei. Die Bezeichnung „Zapfenstreich“ stammte aus der Zeit der Landsknechte. 1596 wurde er erstmals als ein Abendsignal in Verbindung mit dem Schlag bzw. Streich auf den Zapfen eines Fasses als Signal zur Nachtruhe erwähnt. Gab ein Wirt ab diesem Zeitpunkt noch Getränke aus, oder die Landsknechte begaben sich nicht sofort in ihre Zelte zur Nachtruhe, wurde „exemplariter abgestraffet“. Das heute übliche Zeremoniell des Großen Zapfenstreichs geht zurück auf die Jahre der antinapoleonischen Befreiungskriege von 1813 – 1815. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch, in den Zapfenstreich ein kurzes Abendlied, die Serenade, zu integrieren. König Friedrich Wilhelm III. befahl im August 1813, inspirierte durch das Zeremoniell der russischen Armee, das Abendgebet in den Ablauf des militärischen Abendrituals als Ausdruck des religiösen Selbst-verständnisses der Heiligen Allianz zu integrieren. Friedrich Wilhelm Wieprecht stellte 1838 die noch heute gültige Form des Großen Zapfenstreiches zusammen. Im Anschluss an den Einzug nach Klängen des „Yorck’schen Marsches“ und der Serenade folgt das Locken, der Zapfenstreich, das Gebet und abschließend die Nationalhymne. Auf diese Weise erklang der große Zapfenstreich mit 1200 Mitwirkenden erstmalig am 12. Mai 1838 in Berlin. Er bildete den Abschluss eines Großkonzertes zu Ehren des russischen Zaren. Als Gebet erklang an diesem Abend erstmals das geistliche Lied: „Ich bete an die Macht der Liebe.“ Der Text stammt aus der Feder des pietistischen Predigers Gerhard Tersteegen und entstand im Jahr 1750. Die Melodie komponierte 1822 der ukrainische Musiker Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski (1751–1825). Das Anbetungslied zu 1. Johannes 4,16 ist bis heute ein nicht mehr austauschbarer Bestand des Zapfenstreich-Zeremoniells.

Der Vorstand der St. Andreas Schützen uniformierte sich ab 1871 militärischer und trug jetzt neben einem Koppel auch Schulterstücke, an denen Dienstgrade, die militärischen Rängen entlehnt waren, abgelesen werden konnten.
Während des ersten Schützenfestes nach der Reichsgründung wurden erstmals Schützenbrüder für langjährige Treue und besondere Leistungen mit einem Orden geehrt. Weiter berichtet der Chronist im Protokollbuch über das Schützenfest der Schützengesellschaft Velmede 1871:
„Das Fest ist am Mittwoch, dem 28. Juni, Donnerstag, dem 29. Juni, Sonntag, dem 2. Juli gefeiert worden. Am vorhergehenden Montag, Dienstag bis Mittwochvormittag hatte es Tag und Nacht so unaufhörlich geregnet, daß eine große Wasserflut eintrat, was zur Folge hatte, daß der Festplatz namentlich Tanzzelt mit nächster Umgebung unter Wasser stand. Was einen ungeheuren Dreck veranlaßte. Mittwochnachmittag stellte sich wieder Regen ein, welches in Verbindung mit dem Dreck auf den Straßen das Vogelaufsetzen verhinderte. König und Fähnrich wurden einfach geholt und wieder nach Hause gebracht. Herrn Pastor und Kaplan vor deren Wohnungen Ovationen entgegengebracht, Vorstands- und Fähnrichswahlen vorgenommen, damit war für den 28. die Geschichte zu Ende. Am 29. hatten wir nachmittags zum Tanzen recht heiteres Wetter, nur daß die Quellen im und um das Zelt recht lustig hervorbrodelten und den Dreck unaufhörlich vermehrten. Dies hatte zur Folge, daß außerhalb des Tanzzeltes getanzt werden mußte. Am 30. hatten wir das schönste und heiterste Wetter von der Welt, aber die leidigen Quellen im Zelt! Trotzdem ließ die Heiterkeit und Feststimmung nichts zu wünschen übrig. Am 2. Juli sah der liebe Gott mit sichtlichem Wohlgefallen auf uns herab. Die Sonne hatte ihr allerfreundlichstes Gesicht. Der Fremdenzudrang war sehr groß. 217 Fremdenkarten wurden ausgegeben.
Vom Vorstand und der ganzen Festversammlung wurde unter der Vogelstange und in Betracht zu ziehen, ob nicht wegen der vorgefundenen Springquellen ein anderer Festplatz zu wählen sei. Herr Vetter von Halbeswig gibt zur Bedielung 200 laufende Fuß Eichen-Holz. Herr Josef Wiese desgleichen.
Weiterer Antrag: der Bierausschank muß besser geregelt werden, damit endlich einmal die Verschleuderung aufhört. Es ist in Betracht zu ziehen, ob nicht die Knaben mit den Tellern wieder ganz abgeschafft werden und das Herumtragen mit den Bütten geschieht und an verschiedenen Stellen Fässer aufgelegt werden. Die Knaben tragen unaufhörlich darauf los, unbekümmert nach Verlangen und Bedürfnis der Festgenossen. Selbstverständlich wird das Bier, welches einige Minuten in Gläsern steht, nicht getrunken sondern ausgeschüttet. Hier muß eine gründliche Reform stattfinden. Die Knaben dürfen nicht mehr ausschenken. In der Schlußnacht muß außerdem der Bierausschank mit 10.00 Uhr abends geschlossen werden, weil dann die Fremden-Controlle äußerst mangelhaft ist. Aus den Überschüssen dieses Festes sind alle quittierten Schulden an Kohle, Adolf und Winand mit Zinsen geglichen worden“.
Die überaus große Freude über den schnellen Sieg gegen Frankreich bezeugt in Velmede ein Friedensfest, das die Schützengesellschaft „St. Andreas“ am 17. September 1871 feierte. Am 09. 09. informierte das „Mescheder Kreisblatt“ in einem Extrablatt.
„Das Friedensfest wird in Velmede am Sonntag, dem 17. D. Mts. in solenner Weise auf dem Schützenplatze gefeiert werden. Für gute Musik und Restauration ist bestens gesorgt und werden Freunde des geselligen Vergnügens hierzu freundlichst eingeladen. Die ‚Friedenseiche‘ wird nach dem Hochamte in feierlichem Zuge abgeholt, sodann auf dem alten Kirchhofe gepflanzt und eingesegnet.
Velmede, den 11. September 1871 Das Fest-Comité“


Unter den Klängen der Kapelle Förster, die extra für das Friedensfest aus Sachsen angereist war, marschierten die Schützenbrüder nach dem Festhochamt von der St. Andreaskirche zum Hof Schulte-Wiese, um von dort eine von Josef Wiese jun. gestiftete Eiche abzuholen. Der bereits stattliche Baum wurde dann dort gepflanzt, wo sich der Altarraum der alten Kirche befunden hatte. Pfarrer Franz Padberg segnete die Friedenseiche, der Männergesangverein stimmte gemeinsam mit der Festkapelle die Kaiser-Hymne an. Mehr als 100 Jahre erinnerte die Eiche kommende Generationen an den Wert des Friedens, bis sie am 19. 03. 1984 wegen einer Pilzerkrankung gefällt und durch einen neuen Baum ersetzt werden musste. Die Auszeichnung von 29 Schützenbrüdern mit der Kriegsgedenkmünze für die Teilnahme am Frankreichfeldzug durch den Mescheder Landrat Johannes Franz August von Devivere wurde zu einem umjubelten Höhepunkt des Friedens-festes. Bei Musik und Tanz feierten die Schützen mit Gästen aus nah und fern auf dem Schützenplatz. Für die Bewirtung sorgte August Vogel aus Bestwig. In den Abendstunden beratschlagten die Teilnehmer am Deutsch-Französischen Krieg gemeinsam mit Kriegsveteranen der Eini-gungskriege, in Velmede einen Kriegerverein zu gründen. Doch es sollte bis 1892 dauern, bis dieser Wunsch in die Tat umgesetzt wurde.
Der Bahnhof Bestwig wird eröffnet
1872 war das Dorf auf 106 Häuser angewachsen, in denen 1130 Velmeder lebten. Über das Schützenfest berichtete Josef Köster-Kurwald in seinem Tagebuch:
„1872 – 29. Juni:Fest Petri und Paul – unser Schützenfest
30. Juni Ruhetag
unser Schützenfest 1. Juli wurde der Vogel abgeschossen und König wurde Bauführer Macke. Moses Oppenheim schoss sich durch die linke Hand und zwei Finger ab.“
Mit keinem Wort findet bei Josef Köster-Kurwald ein Ereignis Erwähnung, das schon bald die Entwicklung von Velmede, vor allem aber von Bestwig nachhaltig beeinflussen sollte. Der Weiler Bestwig zählte am 1. Juli 1872 gerade einmal sieben Häuser mit 44 Einwohnern und von diesem Tag an einen Bahnhof, der für das Wirtschaftsleben des Ortes und der umliegenden Gemeinden von größter Bedeutung wurde. Bereits vier Jahre nach der Eröffnung der Bahnlinie Meschede-Bestwig an diesem Montag war Bestwig auf 170, bis 1905 auf 625 Einwohner angewachsen.



Schützenkönig 1872
Besonders freute es die Verantwortlichen der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn am Tag der Einweihung des Bahnhofs in Bestwig am 1. Juli 1872, dass sogar die widerspenstigen Bauern aus Velmede, die sich jahrelang gegen den Bau der Bahnlinie und den Verkauf von Land zum Bahnhofsbau gewährt hatten, zur Feier des Tages die erste Dampflokomotive mit Böllerschüssen begrüßt hatten und die gesamte Dorfbevölkerung von den Tambouren geweckt worden war, um die Durchfahrt des Zuges durch ihr Dorf nicht zu verpassen. In dieser Einschätzung lagen die Vertreter der Eisenbahn-Gesellschaft allerdings völlig falsch. Der wahre Grund für das morgendliche Trommeln und Böllern war das Schützenfest, dessen Vogelschießen an diesem 1. Juli nachmittags stattfand. Einige Ingenieure und Bauarbeiter machten sich nach der Bahnhofseinweihung auf den Weg zur Vogelstange, um dort weiter zu feiern. Der Tiefbauingenieur August Friedrich Macke gesellte sich zu den Schützen und errang zur Über-raschung aller Schützenbrüder die Königswürde. Er stiftete der St. Andreas-Schützenbruderschaft ein neues Königsschild für die Königs-kette. Die Inschrift auf der Schen-kungsplakette lautet: “Der Schützen-gesellschaft zu Velmede – gewidmet von August Macke – 1872“. Umseitig hat er den Spruch „Sicheres Auge, Feste Hand, Braucht der Schütze in dem Stand“ eingravieren lassen. August Macke lernte in dieser Zeit Maria Florentine Adolph kennen und heiratete sie. Nach ihren Töchtern Ottilie und Auguste freute sich das Ehepaar, das aus beruflichen Gründen zwischenzeitlich nach Meschede verzogen war, am 3. Januar 1887 über die Geburt ihres Sohnes August. Bald nach dessen Geburt verzog die Familie nach Köln. Die Eltern und der kleine August besuchten immer wieder ihre Verwandten in Velmede, bis zu seinem Tod blieb August Macke sen. Mitglieder St. Andreas Schützen-gesellschaft. Nach einer Ausbildung an der Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf widmete sich der junge Kunstmaler August Macke ab 1907 dem Impressionismus und wurde mit seinem Vorbild Wassily Kandinsky und Franz Marc Mitglied der Künstlergruppe „Blaue Reiter“. Direkt zu Beginn des 1. Weltkriegs eingezogen, fiel August Macke am 26. September 1914 bei Pertheslès-Hurlus in Frankreich.

Schützenkönig 1874
Zum Schützenfest 1874 erweiterten die Andreas-Schützen erstmals ihr Tanzzelt und erwarben weitere Tische und Bänke, die von nun an in die Obhut von Josef Sauerwald gegeben wurden. Nach wiederholten Anträgen aus Reihen der Schützenbrüder, die die Bierverschwendung besonders beim Gelage bemängelten, wurde die Bierausgabe neu geregelt. Josef Vollmer lieferte nicht nur für 273 Thaler das Festbier, ausreichend Gläser und Seidel, sondern stellte gleichzeitig mit Franz Schnier, Anton Brüggemann und Franz Hesse erfahrene Zapfer, die dafür Sorge zu tragen hatten, dass kein Bier mehr „verschleudert“ wurde. Der Schützenkönig von 1874, Kaspar Körner, spendierte für das erweiterte Tanzzelt acht große Laternen der Firma Spanke & Schulte und einen Geldkasten.





Der Kulturkampf
Für die katholischen Schützenbruderschaften im Rheinland und in Westfalen brachen bereits unmittelbar nach der Reichsgründung durch den Kulturkampf Otto von Bismarcks härtere Zeiten an. Die nationalstaatlichen und weltanschaulichen Ideen des Reichskanzlers zielten auf eine Verweltlichung des kirchlich geprägten Bruderschaftswesens. Beim Versuch des deutschen Kaiserreichs, das Verhältnis von Staat und Kirche nach der Unfehlbarkeitserklärung während des 1. Vatikanischen Konzils vom 8. Dezember 1869 bis 20. Oktober 1870 neu zu regeln, prallten die Vorstellungen der konservativ orientierten Schützen mit den liberalen Ideen des Staates aufeinander. Bismarck sah in den politisch organisierten Katholiken, zu denen er neben der Zentrumspartei auch die Schützen zählte, Feinde des Reiches, die die katholische Kirche gegen alle philosophischen Systeme, die das Christentum ablehnten, verteidigten. Er warf ihnen „Ultramontanismus“ vor, was so viel bedeutete, dass die Katholiken Papst Pius IX, der hinter den Bergen (ultra montes) in Rom lebte, die Treue hielten. Mehrfach wurde der Erzbischof von Paderborn Konrad Martin aus diesem Grund zu Gefängnisstrafen verurteilt und in der Zitadelle in Wesel inhaftiert. Viele Priester wurden eingesperrt, 97 Pfarreien der Diözese Paderborn waren verwaist. Der Papst beklagte sich über die „schonungslose Verfolgung der Kirche im neuen Deutschen Reiche, wo man nicht nur durch geheime Umtriebe, sondern auch mit offener Gewalt dahin arbeitet, sie von Grund auf zu zerstören“. Weil er trotz ausdrücklichem Verbot einen Hirtenbrief des Erzbischofs während des Sonntagsgottesdienstes verlas, wurde 1875 auch der Pfarrer von Velmede Franz Padberg verhaftet und in die Haftanstalt Wesel geschafft. Nach seiner Heimkehr wurde er in einem feierlichen Zug vom Bahnhof Bestwig zur Vikarie auf dem alten Kirchplatz geleitet. Dort hielt Freiherr von Wendt im Beisein des Schützenvorstandes und der Fahnenabordnungen eine Begrüßungsrede. Die Schützenbrüder, deren Mehrheit offen mit der Zentrumspartei sympathisierte, stellten sich demonstrativ auf die Seite ihres Pastors und der Kirche. Sie lehnten die von Bismarck angestrebte Trennung von Staat und Kirche ab und wehrten sich gegen den Einfluss der Politik gegen das kirchliche Leben der St. Andreas-Gemeinde. In Velmede erwachte wie im gesamten Sauerland ein reiches katholisches Leben und trat mit ungewohnter Macht den Bestrebungen Bismarcks entgegen. Trotz des Verbots der Bezirksregierung, nahmen die Schützenbrüder uniformiert und mit ihren Fahnen an den Prozessionen 1875 und 1876 teil und widersetzten sich der Anordnung, das Böllern während der Fronleichnamsprozession zu unterlassen. Dies bezeugt ein Eintrag im Kassenbuch über die Lieferung von 100 Pfund Pulver für die Prozessionen 1875 durch Wilhelm Würminghausen aus Bigge. Der unerwartete öffentliche Protest gegen die Bestrebungen des Staates, die Kirche dem Staat völlig zu unterwerfen, blieb nicht ohne Folgen. Zunächst wurde den Andreas-Schützen die Teilnahme an der Urbanusprozession am 27. Mai 1877 vom königlichen Landratsamt in Meschede untersagt:
„Dem katholischen Kirchenvorstande erwidere ich auf Eingabe vom 22. d. Mts, daß die polizeiliche Erlaubnis zur Heranziehung der Krieger- und Schützengesellschaften im Kirchspiel Velmede zur Teilnahme in corpore an der am Sonntag, den 27. d. Mts. in der Pfarrei Velmede stattfindenden Prozession nicht erteilt werden kann, indem dadurch die bisherige Art und Weise der Prozession eine Änderung erleidet, die zur Erhaltung der Ordnung, welche auf andere Weise herbeigeführt werden kann, nicht notwendig erscheint. Ich gebe anheim event. gegen meine Entscheidung Recurs an die höhere Instanz zu ergreifen.
Der Landrath“
Auf den Widerspruch der Kirchengemeinde antwortete die Arnsberger Regierung postwendend. Der sofortige Einspruch des Kirchenvorstandes wurde von der Königlichen Regierung in Arnsberg – Abteilung des Innern – mit Schreiben vom 30. Mai 1877 zurückgewiesen:
„Auf die Beschwerde vom 27. des Monats über die anbei zurückverfolgende Verfügung des Landraths zu Meschede vom 23. des Monats eröffnen wir dem Kirchenvorstand, daß keine Veranlassung zur Aufhebung dieser Verfügung vorliegt, da eine Beteiligung der Krieger- und Schützenvereine der zur Pfarrei Velmede gehörigen Ortschaften in corpore mit ihren Fahnen an der Prozession nicht bloß eine Änderung der hergebrachten Form der Prozession involviert, sondern auch gänzlich außerhalb des Zwecks jener Vereine liegt. Der Beurteilung der Ortsbehörde muß es schließlich allein überlassen bleiben, in welch anderer Weise dabei für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu sorgen ist.“

Die Ortsbehörde reagierte nicht weniger prompt und verbot in einem Schreiben an Pfarrverweser Vikar Johannesmann, der nach dem Tod von Pfarrer Padberg zehn Jahre lang die Geschicke der Kirchengemeinde lenken musste, da in Folge des Kulturkampfs die Pfarrstelle in Velmede nach den Maigesetzen von 1873 vom Oberpräsidenten in Arnsberg nicht neu besetzt wurde, die Teilnahme der Schützenbrüder in Uniform an der Prozession. Amtmann Anton von Stockhausen muss diese Ordnungsverfügung nicht leichtgefallen sein, war er doch aktives Vorstandsmitglied und ehemaliger Hauptmann der Schützenbruderschaft. Die Schützen antworteten mit zivilem Ungehorsam und böllerten demonstrativ während der Prozession. Hierfür, wie auch für die uniformierte Teilnahme an den Prozessionen in den Vorjahren, belegte Landrath von Devivere die Schützen mit einem Strafgeld von 20 Thalern.
Für den 3. Juni 1877 plante die Pfarrgemeinde eine „Piusfeier“, die die „Anhänglichkeit und Liebe der Katholiken zum Papst“ mehren sollte. Hierzu verfügte Amtmann von Stockhausen: „Der Stellvertreter Franz Gödde hat hier angezeigt, daß am 3. Juni eine Pius-Eiche an der Kirche gepflanzt werden soll, wogegen ich nichts zu erinnern habe. Die Beteiligung der Krieger- und Schützenvereine dagegen gilt als öffentliche Demonstration und wird gänzlich untersagt. Der Gemeinde kann damit nicht gedient sein. Ew. Hochwohl-geboren wollte dich daher daran erinnern, daß Sie am 4. Januar dieses Jahres sich namens des Kirchenvorstandes verpflichtet haben, solche Überschreitungen zu unterlassen“. In einem Schreiben der Bezirksregierung wurde gleichzeitig Vikar Johannesmann am 2. Juni mitgeteilt, dass gegen die Pflanzung einer Eiche an der Turmseite der Kirche nichts einzuwenden sei.
„Aber eine Prozession aus der Kirche zur Pflanzstätte ist eine öffentliche Volksversammlung. Musik und Böllerschießen während der Veranstaltung ist auch auf dem Kirchengrundstück eine Störung der öffentlichen Ordnung. Illumination gleich welcher Art, das Abbrennen von Fackeln, Feuerwerken usw. ist ebenfalls untersagt.“
Amtmann von Stockhausen reagierte direkt vor Beginn des Festhochamtes am 3. Juni:
„Auf die Mitteilung von gestern eröffne Ew Hochwohlgeboren ich ergebenst, daß nach einer mit der Abendpost hier noch eingegangenen höheren Verfügung, das Veranstalten von Aufzügen, das Abbrennen von Feuerwerken, Böllerschießen, allgemeine Illuminationen, Freudenfeuer bei der bevorstehenden Piusfeier un-statthaft sind und unbedingt untersagt werden müssen. Meine Verfügung vom 26. des Mts., wonach ich das Böllerschießen erlaubte, muß ich daher zurückziehen.“
Vikar Johannesmann berichtete später, dass die Schützenbrüder zwar nicht in Uniform und ohne Begleitung ihrer Fahnen an der Pflanzung der Pius-Eiche und den kirchlichen Festlichkeiten teilgenommen haben, aber eine auffallend große Beteiligung von Männern und Jungmännern festzustellen war, die in tiefem Schwei-gen gemeinsam in Begleitung der ganzen Gemeinde dreimal um die Kirche gezogen sei und die Eiche dann in aller Ruhe und Stille in die Pflanzgrube gesenkt hätten. Das Te Deum in der Kirche sei zum Abschluss des Gottesdienstes so laut erklungen, dass „Reichskanzler Bismarck in Berlin gar erschrocken“ gewesen sei.
Was ihnen am 3. Juni seitens der Behörden verboten worden war, holten die Schützenbrüder dann demonstrativ am 1. Juli 1877 im Anschluss an das Schützen-hochamt zum Schützenfest nach. Gemeinsam marschierten sie unter den Klängen der Festkapelle mit ihren Fahnenabordnungen zur Pius-Eiche. Begleitet von Böllerschüssen formierten sich Fackelträger um den Gedenkbaum. Im Beisein ihres Schützenkönigs Josef Schnier brachten die Schützen Vikar Johannesmann dort das „Schützenständchen“. Hauptmann Franz Gödde hielt eine Festansprache und lud den Pfarrverweser zur Feier des Schützenfestes ein.

Auf die Beschwerde des Landratsamtes mit der Drohung, das Schützenfest im kommenden Jahr zu verbieten, teilte Vikar Johannesmann mit, allein dem sonnigen Erntewetter sei es zu schulden, dass der morgendliche Schützengruß nicht am Pastorat stattgefunden hätte. Er habe vor lauter Arbeit auf dem Felde keine Zeit gefunden, sein Haus zu beflaggen. Der Küster habe übereifrig 2 Fahnen nahe der Eiche an der Kirche aufgestellt, um den Schützenbrüdern einen ehrwürdigen Ort und einen feierlichen Rahmen für ihr Schützenständchen zu geben. Die Prozessionsfähnchen vom Kircheneingang bis zur Eiche seien während des Hochamtes von ihm unbekannten Personen aufgestellt worden. Durch ihre Aktionen hatten die Schützen so in Velmede und den umliegenden Gemeinden einen beachtlichen Anteil an einem neuen katholischen Bewusstsein, das seinen Ursprung im politischen Protest gegen die staatlichen Bestrebungen Preußens gegen die katholische Kirche hatte.
Angriff auf das Bildungszentrum 1882
Eine besondere Begebenheit während des Schützenfestes 1882 ereignete sich mit einem ‚Angriff auf das Bildungszentrum‘, der für das Dorforiginal Strauß-Schneider nicht ohne Folgen bleiben sollte: „Wer kannte ihn nicht, den Pfiffikus und Spaßmacher Strauß-Schneider. Geboren war er auf Willmes-Hof und hatte das ehrbare Schneiderhandwerk erlernt. Von seinem Kindteil baute er sich unterhalb Bestwig ein Haus und wurde Gastwirt. Von seinen vielen Streichen ist vor allem der Angriff auf die Institution Schule bekannt geblieben. Wahrscheinlich hatte er an seine Schulzeit keine gute Erinnerung, vielleicht verfolgten ihn auch im fortgeschrittenen Alter noch manche Lehrer im Schlaf. Es war am Schützenfest-Montag 1882. Das alte, windschiefe Schulgebäude aus dem Jahre 1830 (Anm.: Gemeint ist hier das alte Schulgebäude aus dem Jahr 1669) stand noch, obwohl es schon zwei Jahre vorher zum Abbruch verkauft war. Vielleicht waren es auch nicht die Lehrer, sondern das alte geduckte Häuslein, das ihm ein Dorn im Auge war. Mut hatte er sich mit seinen ‚Konsorten‘ — wie es später in der gerichtlichen Auseinandersetzung hieß – reichlich angetrunken. In der alkoholisierten Hochstimmung hatten sich die tapferen Gleichgesinnten in einer Freimaurerloge zusammengeschlossen. Zum ‚Meister vom Stuhl‘ wurde Strauß-Schneider einstimmig gewählt. Ordnungsgemäß wurde zunächst eine Anklageschrift erstellt, die der ‚Meister vom Stuhl‘ feierlich unterschrieb. Die Begründung zum Erstürmen der Schule war recht einleuchtend und einfach: ‚In der Schule wird man gequält und gemaßregelt, darf nicht tun und lassen, was man will und außerdem gibt es in solchen Häusern noch die großen Störenfriede, die man Lehrer oder sogar Lehrerinnen nennt. Diese Personen haben außerdem nichts anderes zu tun als Kindern die Hosen strammzuziehen!‘
Mit Steinen und Knüppeln bewaffnet zogen unsere Helden los und stürmten das wehrlose Gebäude. Der Schaden, den sie anrichteten, war beträchtlich. Befriedigt über ihre Tat marschierten die Logenbrüder zum Schützenzelt zurück. Die Siegesfeier soll das gesamte Schützenfest übertroffen haben. In den Aus-nüchterungstagen nach dem Fest sah dann alles etwas anders aus. Das angegriffene Schulgebäude machte nun wirklich einen noch ramponierteren Eindruck. Zum Entsetzen der nüchtern gewordenen Logenbrüder flatterte auf der Amtsverwaltung eine Anzeige auf Landfriedensbruch auf den Tisch des Polizeigewaltigen. Die gerichtliche Einladung zum Lokaltermin ließ nicht lange auf sich warten. Anberaumt war der Termin mit gerichtlicher Ortsbesichtigung in der Gastwirtschaft Vollmer. Strauß-Schneider hatte sich schon selbst verurteilt. In Sträflingskleidung erschien er als Arrestant an der Spitze der Übeltäter, unterm Arm eine Waschschüssel und ein Brot. Das Gelächter schallte durchs ganze Dorf; selbst das Hohe Gericht soll mit geschmunzelt haben. Aber das hinderte den Richter nicht daran, dem Geständigen neben der allgemeinen Bestrafung noch eine saftige Ordnungsstrafe wegen ungebührlichen Benehmens aufzubrummen. Eingeweihte haben es immer erzählt: Die Strafe habe nicht er, sondern sein Neffe vom Willmeshof bezahlt, der zufällig auch Wühlern hieß. Zuzutrauen ist es unserem ‚Meister vom Stuhl‘ – Strauß-Schneider.“
Mitgliederverzeichnis 1879






1879 wurde der Platz für die Vogelstange an den Weg nach Föckinghausen oberhalb des Hofes Köster-Kurwald an „Curen Strülleken“ verlegt, da es für die ständig wachsende Zahl der Schützenbrüder in „Bückers Halle“ beim Vogelschießen zu eng geworden war.
Was die Dauer ihres Schützenfestes anging, bediente sich die Schützengesellschaft schon im gleichen Jahr einer List, die bereits in anderen Orten des Regierungspräsidiums angewendet wurde. Direkt im Anschluss an das zweitägige Schützenfest wurde ein „Kriegerfest“ in Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefeiert. Dass die Schützenbrüder und Kriegsveteranen danach gemeinsam den Festplatz aufräumen mussten, stand ebenso außer Frage, wie eine Erfrischung mit dem Restbier. So verliefen Untersuchungen der Polizeibehörde, ob unerlaubterweise ein „Bummeltag“ gefeiert worden war, im Sande, da der Polizeidiener Franz Michael Römer kurzerhand zum Mittrinken eingeladen wurde.

Erstmals lieferte zum Schützenfest 1877 der Bestwiger Bierbrauer Fritz Körning als einheimischer Schützenbruder für 877 Mark 4178 Liter Bier. Bestwigs Bevölkerungszahl hatte sich nach der Eröffnung des Bahnhofs bereits auf über 200 Einwohner beinahe verfünffacht. Rund um den Bahnhof waren neue Häuser, darunter Fritz Körnings Brauerei mit einem Gasthof, entstanden. Im späteren „Deutschen Haus“ braute der Schützenkönig von 1911 bis zum Schützenfest 1891 das Bier zur „allseitigen Zufriedenheit“. Über 20 Neubürger aus Bestwig traten in diesen Jahren der Schützengesellschaft bei. Einzig Beamte der Reichsbahn und der Post zählten nicht dazu.
1883 – 1889
Mit dem ausklingenden Kulturkampf wurden am 20. Mai 1883 die 148 Schützenbrüder der Schützengesellschaft auf Anweisung des Arnsberger Oberpräsidenten Alfred von Rosen aufgefordert, die Statuten zu ändern. Dies betraf zunächst einmal den Vereinsnamen. Die Bezirksregierung strich den Namen des Schutzpatrons St. Andreas und verfügte amtlicherseits den neuen Vereinsnamen „Schützengesellschaft in Velmede“ So wollte sie jegliche kirchliche Einflussnahme auf das Schützenwesen unterbinden. Folgten die Schützenbrüder auch offiziell dieser amtlichen Auflage, hielten sie dennoch an ihre Nähe zur Kirchengemeinde fest. Intern bekannten sich die Mitglieder nach wie vor zu ihrem Schutzpatron St. Andreas.
Gesellschaftsmitglied konnte nun jeder unbescholtene Staatsbürger, der das 18. Lebensjahr erreicht hatte, werden. Ein neu aufgenommener Schützenbruder war zur Zahlung von 3 Mark Eintrittsgeld in die Gesellschaftskasse verpflichtet. Unter Absatz 6 des § 3 wurde das Verhalten der Schützen beim Schützenumzug und Vogelschießen neu geregelt.
„Wenn ein Schütze nach … vorhergegangener Warnung mit dem Gewehr so unvorsichtig hantiert, daß Gefahr für Leib und Leben und Eigentum anderer daraus entsteht, oder mit einem mangelhaften Gewehr beim Feste schießt“ wurde empfindlich durch den Hauptmann bestraft. Gleiches galt, „wenn jemand beim Feste zweimal Streit oder einmal Schlägerei anstiftet oder ausübt.“ bestraft.
Laut Verfügung des Oberpräsidenten musste im neuen Statut nun zwangsläufig unter § 20 die „Zeitordnung und Beschreibung der Festtage“ neu geregelt werden. Wegen wiederholten zivilen Ungehorsams gegen die preußische Bezirksregierung forderte diese hierzu im Genehmigungsprotokoll:
„ 1. Die alljährliche Festfeier darf nur an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ohne jegliche Vor- und Nachfeier stattfinden.
2. Die Festfeier endet mit der gewöhnlichen Polizeistunde und darf auf keinen Sonnabend fallen.
3. An Sonn- und Feiertagen ist die Festfeier während der Dauer der Vor- und Nachmittags-Gottesdienste der nächsten Pfarrkirche einzustellen.
4. Die Einleitung des an Sonn- und Feiertagen abzuhaltenden Festes durch das Lösen von Böllerschüssen am Morgen ist untersagt. Öffentliche Aufzüge dürfen an den genannten Tagen nicht vor 3.00 Uhr nachmittags stattfinden.
5. Eine Verletzung der vorstehenden Bedingungen, wenn die Festlichkeit durch Rohheit, Unsittlichkeit, Unordnung und Exzessen Veranlassung zu begründeten Beanstandungen ergibt, hat die Versagung der Festfeier von mindestens einem Jahr zur Folge…
Hatte der Kulturkampf das Vereinsleben der Schützenbrüderschaft zuerst einmal nur am Rande irritiert, wurde die patriotische und nationale Begeisterung nach der Reichsgründung durch diese in der Satzung eingetragene Anordnung, die Dauer des Schützenfestes auf zwei Tage zu reduzieren, bei den Schützenbrüdern nachhaltig gedämpft.
Unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges hatten die Velmeder Schützen wiederholt darüber beraten, innerhalb der St. Andreas-Schützengesellschaft eine „Schießabteilung“ zu gründen, um die heranwachsende Jugend an den Umgang mit Gewehren heranzuführen und sie auf den preußischen Militärdienst vorzubereiten. Aus Verärgerung über die behördliche Verfügung wurden diese Überlegungen eingestellt und auch in den Folgejahren nicht weiterverfolgt.
Im Paragraphen 8 regelten die Schützenbrüder im neuen Statut den Biereinkauf durch einen Bierausschuss des Vorstandes:
§ 8 Mit den nach § 6 bestimmten Beiträgen werden die jährlich wiederkehrenden Ausgaben bestritten, namentlich wird dafür vom Vorstande die Schützenmusik und das Bier bezahlt. Das Bier wird vom Vorstande selbst von einem gewählten Ausschuße, welcher mindestens aus drei Mitgliedern bestehen muß, angekauft. Das selbe muß bester Qualität sein… Ankauf und Güte der Biere zu beschaffen wird den Ausschußmitgliedern überlassen. Zum Bierzapfen und Ausschanken werden vom Vorstand die erforderlichen Bierzapfer, Kellner und Helfer bestimmt.
Im dritten Abschnitt des neuen Statuts wurden die Zusammensetzung des Schützenvorstandes, dessen „Anordnungen und Obliegenheiten“ geregelt:
§ 9 Zur Erhaltung der inneren Ordnung im Gesellschaftsverein wird von den Gesellschaftsmitgliedern ein besonderer Vorstand gewählt, welcher aus einem Hauptmann, vier Führern (Offiziere), 1 Männerfähnrich, 1 Junggesellenfähnrich, 2 Tanzordnern und jeeiligem Schützenkönig besteht…
Auch werden zur… Aufrechterhaltung der Ordnung bei den Zügen, auf dem Schützenfeste und beim Schießen zwei Unteroffiziere gewählt, und zwar wie die Vorstandsmitglieder Hauptmann, Offiziere und Tanzordner auf zwei Jahre.
Die Wahlen geschehen am zweiten Festtage, und zwar dem Morgen gleich nach der Festmesse, von sämtlichen Mitgliedern die anwesend sind…“












Innerhalb der Schützengesellschaft wuchs zu Beginn der 80-er Jahre der Wunsch, eine Schützenhalle zu bauen. So wurde während der Generalversammlung am 28. Juni 1885 der Erwerb eines Schützenplatzes und der Hallenbau diskutiert und eine „… Bau-Commission gewählt:
Josef Köster-Kurwald zum provisorischen Vorsitzenden 2. Josef Schnier, 3. Josef Köster-Heimes, 4. Josef Wiese-Schulte, 5. Adam Hengsbach, 6. Heinrich Köster, 7. Franz Burmann, 8. Anton Hegener – Bestwig, 9. Franz Vogel – Maurermeister, 10. Josef Degenhardt, 11. Johann Schnettler, 12. Josef Kohle.“ Nach dreijähriger Planungszeit wurde dann auf der Generalversammlung am 8. Juli 1888 der Bau eines feststehenden massiven Festzeltes auf einem eigenen Schützenplatz beschlossen, der von „Gutsbesitzer Josef Wiese, Velmede, 2. Gutsbesitzer Franz Humpert, Grimlinghausen, 3. Karl v. Stockhausen, Velmede, 4. Johann Brüggemann, Zimmermeister, 5. Josef Köster-Kurwald, 6. Johann Schulte, Maurermeister, 7. Wilhelm Meschede, Gutsbesitzer Halbeswig, 8. Franz Humpert, Schreinermeister, Velmede, 9. Josef Schnier, Landwirt, Velmede,“ vorangetrieben werden sollte. „Es wurde ferner vom Vorsitzenden Franz Gödde die Beschaffung der nötigen Baugelder vorgetragen. Beschlossen wurde, daß jeder Schützenbruder verpflichtet ist, eine Aktie in Höhe von 10 Mark zu nehmen und zwar unverzinslich…“ Kontrovers wurde unter den Schützen weiterhin diskutiert, ob eine neues Lakenzelt mit massiver Trinkhalle, oder eine feste Schützenhalle errichtet werden sollte. Um den ständigen Streitereien über neue Miet- und Pachtverträge mit den jeweiligen Pfarrern und Kirchenvorständen ein Ende zu setzen, sollte mit Pastor Cruse über den Erwerb des bisherigen Schützenplatzes verhandelt werden. Zwar war die Pfarrgemeinde nicht bereit, den Baumhof zu verkaufen, stimmte aber einem langfristigen Pachtvertrag zu. Dabei wären die Einnahmen aus einem Grundstücksverkauf dem Kirchenvorstand willkommen gewesen, denn zeitgleich baute die St. Andreas-Kirchengemeinde 1888 unter Pfarrer Cruse im Pfarrgarten ein neues Pfarrhaus.
Laut Polizeilicher Verordnung fand 1889 kein Schützenfest statt, da eine epi-demiehafte Krankheit im ganzen Kaiserreich im Umlauf war. In den Zeitungen wurde sie „Russische Grippe“ genannt, ein Name, der später auch in der Fachliteratur für die Pandemie genutzt wurde. Die weltweite Influenza-Epidemie von 1889 bis 1895 war die erste Pandemie, bei der die Ausbreitung entlang der Eisenbahnlinien eine wesentliche Rolle spielte. Was der Regierungspräsident in Arnsberg bei seiner Verfügung noch nicht erahnen konnte, war die traurige Tatsache, dass sich das neue Virus, das von Rindern auf den Menschen übergesprungen war, rasend schnell von Zentralasien aus verbreitete und weltweit 1 Millionen Opfer forderte. Nachdem die Pandemie im Frühjahr 1889 kurz abgeflaut war, schlug eine zweite, härtere Welle der Lungenkrankheit zu. Die damalige Pandemie war die erste Corona-Seuche der Neuzeit. Heute ist ihr Auslöser nur noch ein harmloses Schnupfenvirus, einer der üblichen winterlichen Plagegeister.

Am 30. Juni 1889 wurden neben Hauptmann Gödde Joseph Huecker, Heinrich Koester, Hubert Schnier und Heinrich Vogel als 1. bis 4. Führer im Rahmen der Generalversammlung in den neuen Vorstand gewählt. Die Junggesellenfahne trug Franz Oestreich, die Männerfahne Franz Hengsbach. Noch im gleichen Jahr stellten sie auf Drängen der „Baucommission“ den Bauantrag für den Schützenhallenbau.
Um nach den Wirren des Kulturkampfes nun endlich die St. Andreas-Kirche zu konsekrieren, besuchte am 13. August 1890 Weihbischof Augustinus Gockel Velmede. Die Weihe der Kirche und das anschließende Levitenamt dauerten mehr als sechs Stunden. Auch die Schützengesellschaft nahm an diesem denkwürdigen Gottesdienst teil. Unter dem Altar legte der Weihbischof Reliquien der Heilige Casta nieder. Am kommenden Tag spendete er erstmals seit 1871 im Kirchspiel Velmede wieder das Sakrament der Firmung. 1008 Firmkandidaten drängten sich in der Pfarrkirche. Lehrerin Maria Rösen und Lehrer Johannes Meschede waren die Firmpaten für die Firmlinge der St. Andreas Pfarrei.
Nach der Abpfarrung von Ramsbeck im Jahr 1861 lebten 1890 im Kirchspiel rund 3500 Katholiken. Die Bevölkerung von Velmede war durch den Zuzug von Beamten und Arbeitern der Eisenbahn auf 1344 Bewohner angestiegen. Sie wohnten in 157 Häusern. Baulücken im Oberdorf und an der Oststraße waren in den vergangenen Jahren geschlossen worden, entlang der Provinzialstraße, der sogenannten „Vorstadt“ wurden neue Häuser gebaut. Die Feld-, Süd- und Kapellenstraße kamen als neue Bebauungsgebiete hinzu.
1890 – 1900
Die erste Schützenhalle entsteht

1890 traf die Generalversammlung die Entscheidung, auf dem bisherigen Festgelände gegenüber der „schwarzen“ Schule eine massive Halle zu errichten. Im Frühjahr 1891 wurde mit dem Bau unter der Leitung von Josef Schnier, dem Vorsitzenden der Baukommission, begonnen. Dabei war Eile geboten, sollte doch das Schützenfest im Juli 1891 bereits dort gefeiert werden. Tatkräftig legten die Schützenbrüder mit Hand an und erledigten die meisten Arbeiten in Eigenleistung. Um die Baukosten so niedrig wie eben möglich zu halten, wurde für das Ständerwerk und den Dachstuhl auf vorhandenes Baumaterial einer abgerissenen Scheune zurückgegriffen. Die Bretter für die Außenverkleidung zahlte Pastor Cruse mit der Auflage, dass die Schützenhalle auch von der Kirchengemeinde für Feste und Veranstaltungen kostenlos genutzt werden konnte. Der Tanzboden der neuen Schützenhalle hatte eine Größe von 60 x 40 Fuß, das entspricht 18,88 x 12,55 Metern. An die massive, holzverschalte Halle wurde das vorhandene Balkengerüst für das in die Jahre gekommene Lakenzelt angebaut. Südlich der Halle errichteten die Schützenbrüder eine offene Trinkhalle mit einer festen Theke.
Über dem Eingangstor brachten sie ihren Wahlspruch aus der Gründungszeit der Schützengesellschaft „Eintracht und Frohsinn“ an. Ausgelassen und stolz auf ihre neuerbaute Schützenhalle feierten die Andreasschützen mit ihren Gästen aus den umliegenden Dörfern am Peter- und Paul-Tag ihr Schützenfest und bejubelten ihren neuen Schützenkönig Josef Kohle. Über der Musikbühne wurde ein patriotisches Spruchband „Üb Aug‘ und Hand für’s Vaterland“ angebracht. Schützenhauptmann

Franz Gödde begrüßte in seiner Festansprache die Schützenbrüder und geladenen Gäste stolz:
„Seid willkommen, Schützen, Gäste,
heut‘ zu unsrem Schützenfeste.
In unserem neuen Schützenhause
sei Eintracht und Frohsinn stets zuhause.
Seit willkommen, Schütz’genossen,
frisch ans Werk und gut geschossen.
Schießet frisch und trink mit Kraft,
einträchtig und in Bruderschaft.
Heut für Ehr und bunten Tand,
morgen für das Vaterland!“

Am Mittwoch, den 1. Juli, dem Bummeltag, war Bier in Strömen geflossen und ausgedehnt gefeiert worden. Durch ein tragisches Unglück fand die Festtagsfreude dann ein jähes Ende. In später Stunde ertranken Schneidermeister Johann Schnettler, Schlosser Bernhard Hücker, Schmied Lorenz Mündelein und der Schreiner Franz Fröhling beim Kahnfahren auf der aufgestauten Ruhr in Wehrstapel.
Nach ihrer Fertigstellung diente die Schützenhalle der Volksschule als Turn- und Spielhalle, auch die Kirchgemeinde und die örtlichen Vereine nutzten sie für ihre Feste und Veranstaltungen. Die Mitglieder des 1891 gegründeten Turnvereins trafen sich nun dort an jedem Sonntag von 16.00 – 18.00 Uhr zu ihren Übungsstunden und feierten in der neuen Halle ihre Turnfeste. Ein erster Höhepunkt im Vereinsleben der Velmeder Turner waren Vorführungen an ihren neuen Turngeräten während des Schützenfestes 1892 auf dem Schützenplatz. Auch der Kriegerverein Velmede feierte nach seiner Gründung im Jahr 1893 seine jährlichen Kriegerfeste in der neuen Schützenhalle mit Festumzug, Musik und Tanz. „Wir künden euch das Kriegerfest mit Trommeln und mit Pfeifen, nur wer ein echter ‚Krieger‘ ist, kann unsre Lust begreifen!“, luden die Velmeder Veteranen bereits im Gründungsjahr zu ihrem Fest ein. Wie beliebt dieses unter den jungen Männern war, lässt sich daran ablesen, dass sich bei Ausbruch des 1. Weltkrieges eine ganze Reihe von ihnen allein darum freiwillig zum Kriegsdienst meldeten, um in Zukunft als Kriegsteilnehmer offiziell am Kriegerfest teilnehmen zu können und nicht länger darauf warten zu müssen, dass ihnen Bier von gestandenen Veteranen über den Zaun gereicht wurde. Besondere Höhepunkte im Dorfleben bildeten die „Vereinskränzchen“ mit Vorträgen und Theateraufführungen, die von der Laienspielschar Velmede unter Leitung von Lehrer Meschede, von Schauspielern des Gesangvereins, des Krieger- und des Jünglingsvereins in regelmäßiger Folge in der Halle stattfanden. Neben Lustspielen wurde der begeisterten Bevölkerung z.B. das Oratorium „Elisabeth“ oder Schillers „Jungfrau von Orleans“ geboten.
1896 zählte Velmede laut Schulchronik 1230 Bewohner in 136 Wohnhäusern, darunter 19 Bauernhöfe und 5 Kötter. Bis 1905 wuchs die Bevölkerung des Dorfes auf 1979 Personen, in Bestwig auf 625 an. Im Jahr 1900 waren 255 Velmeder Mitglied der Schützenbruderschaft.



Die Elektrizität hält Einzug

Mit der Inbetriebnahme des Elektrizitätswerkes in Bestwig am 1. Januar 1901 brach nun auch in Velmede-Bestwig ein neues Zeitalter an. Stromlieferverträge mit der königlichen Eisenbahndirektion über die Elektrifizierung des Bahnhofs und ein Vertrag mit dem 1897 erbauten Kalk- und Zementwerk hatten dies ermöglicht. Die ersten Gebäude, die in Velmede an das Stromnetz angeschlossen wurden, waren die St. Andreaskirche und die Schützenhalle. Zunächst hatten sich in Velmede-Bestwig nur 51 Haushalte einen elektrischen Hausanschluss gewünscht, für die überwiegende Mehrheit war der Strom, das „Licht aus dem Knipser“, zunächst keine Verbesserung sondern eine Gefahr. „Vey briuket keunen elektrisken Sträom, vey so liuter mit Petroleum iutkommen“, hatten sich bei der Generalversammlung noch etliche Schützenbrüder gegen den Anschluss der Schützenhalle ans Stromnetz gesperrt. Doch die überwiegende Mehrheit hatte die Vorteile des Stromanschlusses erkannt. So wurde die Düsseldorfer Firma A. Pfietzzachner beauftragt, für 350 Mark die elektrische Anlage in der Schützenhalle zu installieren. Im Kassenbuch von 1902 sind für die Belieferung der Schützenhalle mit Strom bereits 15 Mark gebucht.

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts beschlossen die Schützenbrüder auch die Anschaffung einer neuen Männerfahne. Diese wurde für 275,40 Mark von der Kölner Fahnenfabrik Wilhelm Wefers gefertigt. Über die Gestaltung und den Verbleib dieser Fahne finden sich keine weiteren Informationen. Allein der Eintrag ins Kassenbuch von 1901 gibt einen Hinweis. Spätere Vorstandsfotos aus den Jahren zwischen 1920 und 1939 zeigen wiederholt als Männerfahne die „alte“ Andreasfahne aus dem Jahr 1869.










1901 – 1913
Die Schützen als Teil der Kirchengemeinde
Aufbruchsstimmung herrschte um die Jahrhundertwende auch in der Kirchengemeinde. Nach und nach hatte die Andreaskirche in den Jahren nach 1850 Verschönerungen erfahren. 1895 wurden vom Kunstschreinermeister Göddeke in Oberhenneborn ein neuer Hochaltar für 6000 Mark, die Seitenaltäre mit Darstellungen der Gottesmutter und des Heiligen Joseph, sowie die Beichtstühle angefertigt.

1901 erhielt die St. Andreaskirche neue bunte Glasfenster. Die St. Andreas Schützengesellschaft hatte sich laut Beschluss der Generalversammlung von 12. Juni 1900 einstimmig bereit erklärt, die Kosten eines Kirchfensters zu übernehmen.
Dabei hatte der Vorstand darauf gedrungen, dass dies das „Andreasfenster“ oder ein Fenster mit der Darstellung des Heiligen Hubertus sein sollte. Ungeachtet dieser Wünsche bestimmte Pastor Theodor Kellermann, dass die Schützenbrüder das Fenster mit dem Bild des Heiligen Liborius, dem Schutzheiligen der Diözese Paderborn, finanzierten.
1903 waren es erneut die Velmeder Schützenbrüder, die die Kirchengemeinde großzügig unterstützten und die Kosten für eine neue Matthäus-Glocke übernahmen. Die alte Feuerglocke aus dem Jahr 1657 war in die Jahre gekommen und passte tonmäßig nicht mehr zu den beiden anderen Glocken. Am Andreas-Patronatsfest 1903 wurde die Mattäusglocke von Pastor Kellermann feierlich im Beisein der angetretenen Schützenbrüder geweiht und im Kirchturm angebracht. Sie trug die Inschrift: Matheus Evangelista est nomen meum. Ad. Hon. Die et sancti Andreae patroni huius ecclesiae sub Pastore Theodore Kellermann et praepositio Francisco Gödde facta est A. 1903. (Mathäus, der Evangelist ist mein Name. Zu Ehren Gottes und des Hl. Andreas, des Patrons dieser Kirche, ist sie unter Pastor Kellermann und Gemeindevorsteher Franz Gödde geschaffen worden. Im Jahr 1903.) Die 21 Zentner schwere Glocke war einen Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 1,23 Meter. Wie bereits beim Liborius-Kirchenfenster hatte Pastor Kellermann bei der Beschriftung der neuen Glocke wieder den Wunsch der geldgebenden Schützengesellschaft ignoriert, dass der Text auf der neuen Glocke „… Zu Ehren Gottes und des Hl. Andreas, des Patrons dieser Kirche und der Schützengesellschaft von 1826 …“ lauten sollte. Dies führte unweigerlich zu einem ernsten Verwürfnis zwischen dem Velmeder Pastor und der Schützenbruderschaft. Der Viorstand weigerte sich, im kommenden Jahr den Seelsorger zum Schützenfest einzuladen.

Nur wenige Jahre rief die Matthäusglocke die Velmeder zum Gottesdienst. Während des 1. Weltkriegs mussten alle Glocken mit Ausnahme der Kleppglocke abgegeben werden, um sie in Kanonen umzuschmelzen.
Unter Pastor Hubertus Menne erfolgte 1905 dann die Verschönerung der Kirche mit großen, farbenfrohen Bildern über den Seitenaltären, die Bemalung der Kirchendecke, Ziermotiven und farbigen Ornamenten im Chorraum sowie im Kirchenschiff. Auch diese Kirchenverschönerung wurde von den Andreas-Schützen mit 1000 Mark unterstützt.
Welche Kaufkraft die Spenden der St. Andreas-Schützenbrüder für das Kirchenfenster, die Glocke und die Kirchenverschönerung besaß, kann am Monatseinkommen eines Arbeiters bei der Firma Busch in Besteig gemessen werden. Dieser verdiente 60 Mark im Monat. Lebenshaltungskosten betrugen 1900 beispielsweise für Lebensmittel:1 Kilo Schweinefleisch: 1 Mark, 50 Pfennig, 1 Kilo Pferdefleisch: 50 Pfennig, 1 Kilo Butter: 1 Mark, 86 Pfennig, 1 Liter Milch: 20 Pfennig 1 Kilo Roggenbrot: 23 Pfennig, 1 Kilo Weizenmehl, 36 Pfennig, 1 Kilo Zucker: 65 Pfennig, 1 Kilo Kaffee: 4 Mark, 15 Pfennig, 1 Mandel Eier (15 Stück): 73 Pfennig, 1 Zentner Kartoffeln: 2 Mark, 63 Pfennig, 1 Liter Bier: 24 Pfennig. Beim Kauf neuer Möbel mussten um 1900 für einen Stuhl 3 Mark, 75 Pfennig oder einen Tisch 8 Mark, 75 Pfennig bezahlt werden. Ein Herrenanzug kostete zwischen 10 und 75 Mark eine Damen-Strickweste 6 Mark. Für ein Zentner Kohle bezahlte man 1 Mark, 20 Pfennig.

Im gleichen Jahr errichtete die Jungmännervereinigung von 1901 die Mariensäule an der Ostseite der Kirche. Sie erinnerte an die Verkündi-gung des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis Marias durch Papst Pius IX. in seiner Enzyklika „Ineffabilis Deus“ am 8. Dezember 1854. Neben den jungen Männern waren auch die Schützenbrüder am Aufbau des hohen, gegliederten Steinsockels beteiligt und zahlten das in Dürings Schmiede geschaffene Eisengitter, das den Andachtsort an der Kanalstraße umgab.










Impressionen aus Velmede zwischen 1900 und 1913




















Hitzige Diskussionen über die Aufnahme weiterer Mitglieder aus Bestwig bestimmten die Generalversammlungen der Schützengesellschaft Velmede zwischen 1910 und dem Ausbruch des 1. Weltkriegs. Die alteingesessenen Bauern und Handwerker fühlten sich von den „Buiterlingen“, besonders den Beamten bei Bahn und Post, herablassend behandelt. Das Fass zum Überlaufen brachte eine zufällige Begegnung des Schützenhauptmanns Wilhelm Schnettler mit einem uniformierten Bahnbeamten am Bahnhof. Auf die Frage, warum im Vorstand der Schützen-gesellschaft keine Bestwiger Beamten anzutreffen seien, die den Bauern endlich Zucht und Ordnung beibringen könnten, antwortete Wilhelm Schnettler im ortsüblichen Sauerländer Platt, dass der Vorstand nicht bestimmt, sondern gewählt werde. Bisher habe sich noch kein Beamter aus Bestwig zur Wahl gestellt, der bereit gewesen sei, sich mit einem Velmeder Bauern anzulegen. Daraufhin, so informierte der Schützenhauptmann den Vorstand, habe der Bahnbeamte im Stil eines preußischen Hauptfeldwebels im Kommisston kommandiert: „Dummer Kerl, stehen Sie stramm und reden Sie gefälligst hochdeutsch mit mir! Wir sind hier nicht bei den Hottentotten!“

1910, Velmede zählte zu diesem Zeitpunkt 1312 Einwohner, beschlossen die Schützen, sich zukünftig in drei „Compaynien“ zu organisieren: Die erste Kompanie bildeten die Schützenbrüder des Oberdorfs bis Haus Adolph, die zweite alle Schützen, die nördlich der Ruhr wohnten und die dritte von Haus Adolph bis zum Dorfende in Richtung Bestwig.

In direktem Zusammenhang mit der Eröffnung des Bahnhofs in Bestwig stand das Wachsen der Evangelischen Kirchengemeinde Bestwig. Durch den Zuzug von fast 1000 zumeist evangelischen Bergleuten aus dem Erzgebirge und dem Harz ab 1860 hatte sich eine eigene Gemeinde in Ramsbeck-Neuandreasberg gegründet. Zu dieser zählte ab 1871 auch Bestwig, denn etwa 50 evangelische Arbeiter und Bahnbeamte hatten sich hier niedergelassen. Auch in Velmede fanden evangelischen Christen ein neues Zuhause. Hatten bis zu dieser Zeit Konfes-sionsunterschiede in der Schützengesellschaft nie eine Rolle gespielt – im Jahr 1867 war der jüdische Schützenbruder Elias Bachmann ohne Wenn und Aber als Schützenkönig akzeptiert worden, obwohl dies dem Statut widersprach – wurde während der Generalversammlungen 1908, 1910 und 1913 wiederholt die Mitgliedschaft der „Lutherischen“ diskutiert. Die Mehrheit der Schützen wollte ihnen zwar die Mitgliedschaft im Verein ermöglichen, jedoch die Teilnahme am Vogelschießen untersagen, andere sperrten sich generell gegen die Aufnahme.
Völliges Unverständnis brachten die Kommunalpolitiker und Vereinsvorstände im Dorf zunächst einmal dem 1908 erlassenen Reichsvereinsgesetz entgegen, das Frauen den Beitritt in politische Vereine und Parteien ebenso ermöglichte, wie ihre Mitgliedschaft in Gesangs-, Sport- oder Schützenvereinen. In Männerkreisen wurden die Emanzipationsbestrebungen der Frauen hitzig diskutiert. Noch bevor eine Frau den Antrag auf Aufnahme in den Schützenverein gestellt hatte, wurde vorsorglich 1912 die Mitgliedschaft von Frauen einstimmig ausgeschlossen. In den persönlichen Notizen eines Schützenbruders, der gerade seinen Militärdienst in Frankfurt am Main leistete, findet sich der Eintrag: „…Wie die Allgemeine Zeitung berichtet, haben Frauen in England die Fensterscheiben des Innenministeriums zertrümmert, werfen sich vor Pferdekutschen, stecken Häuser in Brand, baden splitternackt im Fluss. Suffragetten! Wilde Furien in Weibsgestalt. Schamloses Gesindel. Ich hoffe und bete, dass die anständigen Frauen in Velmede klug und vernünftig bleiben!“
Der Ausbruch des 1. Weltkrieges beendete die Auseinandersetzung, ohne dass eine befriedigende Lösung der Emanzipationsfrage gefunden wurde.
Bereits während der Generalversammlung 1906 berieten die Schützen den Ausbau oder gar einen Neubau der Schützenhalle auf einem eigenen Grundstück, da die Pachtverhandlungen mit Pastor Hubert Menne und dem Kirchvorstand immer schwieriger wurden. Am 28. März 1914 wählten die 247 Schützenbrüder Wilhelm Schnettler erneut zu ihrem Hauptmann und beauftragten ihn und die 4 Offiziere Josef Gödde, Caspar Stratmann, Josef Meschede und Josef Östreich, dem Streit ein Ende zu setzen und ein Baugrundstück am östlichen Ortsrand zu kaufen.

Zum Schützenfest bestellte die Schützengesellschaft für die „völlig aufgebrauchte Junggesellenfahne…“ bei der Vaterländischen Fahnenfabrik in Köln für 485 Mark eine neue Fahne. Um die Kaufkraft dieses Betrages einschätzen zu können: Für die Lieferung des beim Schützenfest getrunkenen Bieres erhielt Hubertus Schnier 624,60 Mark, die Festmusik der Kapelle Clement aus Heringhausen kostete 325 Mark. Die neue Junggesellenfahne trug das Bild des Heiligen Hubertus und die Inschrift „Schützen-Verein 1826 – 1914“.
Zudem bewilligten die Schützen ein weiteres Mal eine Spende zur „Verschönerung der Kirche“ an Dechant Nies in Höhe von 4000 Mark. Das entsprach etwa vier durchschnittlichen Jahreseinkommen!






Fritz Körning

Impressionen aus Bestwig zwischen 1900 und 1910






























1914 – 1918


Am Sonnabend, den 1. August 1914, ließ Kaiser Wilhelm II. um 17.15 Uhr die allgemeine Mobilmachung des Heeres und der Flotte anordnen. Im Nachhinein wurde vermutet, dass bis zu diesem Tag der 1. Weltkrieg noch hätte verhindert werden können. Doch ein deutsches Ultimatum an Russland wurde von Zar Nikolaus II. nicht mehr beantwortet. Der hielt die Generalmobilmachung Russlands aufrecht, darauf erklärte Deutschland dem Zarenreich den Krieg. Auf der Telegrafenstation Bestwig ging gegen 18.30 Uhr der Mobilmachungsbefehl aus Berlin mit dem Text ein: „Mobilmachung befohlen, erster Mobilmachungstag der 2. August. Dieser Befehl ist sofort ortsüblich bekannt zu machen. Reichs-Postamt.“ An diesem Sonnabend waren der alte Kirchplatz in Velmede und der Bahnhofsvorplatz in Bestwig von einer aufgeregten Menschenmenge gefüllt. Überall standen Männer und Frauen heftig diskutierend in Gruppen beieinander. Den ganzen Tag warteten alle auf die letzte Entscheidung: Wird es Krieg geben oder nicht? Nachdem die Nachricht von der Mobilmachung Velmede erreichte, gab es kein Halten mehr. Die anwesenden Mitglieder des Kriegervereins und der Schützengesellschaft stimmten patriotische Lieder an. Pastor Nies hielt von der Treppe der „roten Schule“ eine Ansprache und wies auf den Ernst der Lage hin. Schon bald hieß es für die ersten Einberufenen Abschied zu nehmen von Frau und Kindern, von Eltern und Freunden. Sie hatten sich schnellstens bei ihren Garnisonen einzufinden. Patriotischer Siegestaumel beherrschte die Abschiedsszenen auf dem Bahnhof Bestwig. Männer aller Stände und Schichten zogen voller Begeisterung in der Annahme an die Front, bereits in wenigen Wochen siegreich aus dem Feld heimzukehren. Sie wollten für Deutschlands Ehre in einem aufgezwungenen Krieg eintreten. Mit Hurra-Rufen bestiegen sie die Militärzüge, deren Wagenwände mit Kreideaufschriften gegen die Feinde überschwänglich patrio-tisch „verziert“ waren: „Es braust ein Ruf wie Donner-hall, der Zar kommt in den Affenstall!“, „Mein Nikolaus, mein Nikolaus, wir fressen dich mit Mann und Maus!“ wurde die Siegeszuversicht gegen Russland zum Ausdruck gebracht, gegen die Engländer hieß es: “John Bull, wir hauen Dir den Buckel vull!“ und gegen Frankreich richtete sich der Spruch „All Heil, Frankreich kriegt Keil!“, „Ausflug nach Paris – Auf Wiedersehen auf dem Boulevard“ oder „In den Kampf, mir juckt die Säbelspitze!“

Doch schon bald erreichten den Bahnhof Lazarettzüge von der Front, die Verwundete transportierten. Die Soldaten wurden von der Zivilbevölkerung mit Suppe, Brot, Würstchen, Obst oder Schokolade versorgt. Zur Finanzierung dieser Hilfsgüter trug auch die Schützengesellschaft Velmede mit großzügigen Spenden von über 2000 Mark bei. Am 8. November 1914 beschloss eine „außergewöhnliche“ Generalversammlung: „Dem Vorstande soll überlassen bleiben für unsere im Felde stehenden Krieger Gelder aus der Vereinskasse zu bewilligen, so wie es der Vorstand für nötig hält. Der Vorstand soll auch ermächtigt sein, Gelder zu bewilligen für die Kriegermission zum Verpflegen der verwundeten durchfahrenden Krieger auf dem Bahnhof Bestwig.“ Für solche „Liebesgaben an hiesige Krieger“ wurden zwischen 1914 und 1916 an Pfarrer Nies, den Lehrer Esleben und Hubert Schnier jährlich je 900 Mark zur gerechten Verteilung übergeben. 1916 wurden zur Beerdigung von gefallenen Schützenbrüdern an sechs Mütter oder Witwen je 75 Mark Unterstützung gezahlt, 1917 waren es vier und 1918 acht Zahlungen.




Um die sechs Kriegsanleihen für 6000 Mark aus dem Jahr 1916 bezahlen zu können, verkaufte die Schützengesellschaft am 20. Februar 1918 ihr Tanzzelt für 2824,63 Mark an die Chemie Industrie in Oeventrop.
Seit Kriegsbeginn wurde kein Schützenfest mehr gefeiert, längst waren die patriotischen Hurra-Rufe der ersten Kriegsmonate verklungen. Ab 1916 herrschten Hunger, Entbehrungen und Trauer. Dennoch plante der Vorstand der Schützengesellschaft voller Zuversicht die Wiederbelebung des Velmeder Schützenwesens nach dem Krieg. Wilhelm Schnettler, Caspar Stratmann, Ferdinand Häger, Bernhard Hengsbach, Conrad Wendt und Lorenz Fliege unterzeichneten darum am 1. Januar 1917 einen neuen Pachtvertrag mit dem Kirchenvorstand für das Grundstück, auf dem die Schützenhalle stand. Für die kommenden fünf Jahre bis zum 31. Dezember 1922 war eine Jahrespacht von 97 Mark, von der 90 Mark zu zahlen waren, vereinbart.



Im August 1915 wurde im Hintereingang der Pfarrkirche ein von der Schützen-gesellschaft St. Andreas und dem Velmeder Kriegerverein gestiftetes hölzernes Kreuz in Form eines „Eisernen Kreuzes“ unter einem Marienbild aufgehängt. Gegen eine Spende von 50 Pfennigen für einen Eisen- und eine Mark für einen Messingnagel konnte dort vor und nach den Gottesdiensten jeder einen Spendennagel einschlagen und damit eine Hilfsbeitrag zum „Besten der Fürsorge für die erblindeten Krieger des Landheeres und der Flotte“ leisten. Bereits nach wenigen Wochen waren alle vorgesehenen Nagelplätze mit Spendennägeln versehen. 786 Mark konnten Lehrer Essleben und Pastor Nies im Auftrag der Kriegsveteranen und Schützenbrüder überweisen.
Der tägliche Überlebenskampf gegen die miserable Lebensmittelversorgung hinterließ auch in der Dorfbevölkerung ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber allen staatlichen Instanzen. Das millionenfache Sterben an der Front stellte immer lauter die Frage nach dem Sinn des Krieges. Tod und Invalidität, Entbehrung und Gefangenschaft prägten den Kriegsalltag an der Front. Der 1. Weltkrieg endete im November 1918 mit der militärischen Niederlage Deutschlands und seines Bündnispartners Österreich-Ungarn.

Die Zahl der Toten und Verletzten bis 1918 war immens. Weltweit starben rund neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten. Der 1. Weltkrieg kostete 1834524 deutschen Soldaten das Leben, 4215773 wurden verwundet. 60 der 229 Velmeder Kriegsteilnehmer kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück, alle Gefallenen waren Schützenbrüder.
Quellenverzeichnis
Sammlung Zeitungsartikel Wolfgang Rinschen
Text:
Franz Schörmann u.a. Aus der Geschichte des Kirchspiels Velmede, 1. Chronik der Schützenbruderschaft 1826 St. Andreas Velmede, Bestwig, Olsberg 1989, SS.31f
Wolfgang Rinschen, 950 Jahre Velmede – 200 Jahre St. Andreas Schützenbruderschaft, Bestwig 2021, S. 18 ff
Elise Friedrichs, Blüggelscheidt, aus der plattdeutschen Gedichtesammlung von Heidi Bamfaste
Kohle, F. J., Gemeinde Velmede, Aus ihrer Vor- und Heimatgeschichte, 1958, S. 114 ff
Bestwig, Chronik von Ort und Kirche, Bestwig 1994, S. 55, S.66
Protokoll- und Kassenbücher und Satzungen der St. Andreas-Schützenbrüderschaft ab 1826
Herbert Hesener, Glaube-Sitte-Heimat 75 Jahre Schauerländer Schützenbund 1929 – 2004, Meschede 2004
Dietmann Sauermann u.a., Schützenwesen im kurkölnische Sauerland, Arnsberg 1983
Fotos:
Wolfgang Rinschen, 950 Jahre Velmede – 200 Jahre St. Andreas Schützenbruderschaft, Bestwig 2021
Fotoarchiv St. Andreas-Schützenbruderschaft Velmede-Bestwig 1826 e.V.
Fotosammlung Werner Nieder
Privatarchiv Wolfgang Rinschen
Protokoll- und Kassenbücher der St. Andreas-Schützenbrüderschaft ab 1826
