Die Geschichte
Zwischen Tradition und Zeitgeist: Die bewegte Geschichte der Velmeder Schützen
Schwere Kriegs- und Hungerjahre lagen hinter den Menschen, als sich im Juni 1826 im Gasthof Mütherig an der alten Kirche 63 Männer und 38 Frauen trafen, um die „Schützengesellschaft zu Velmede“ zu gründen. Schon zwei Wochen später feierten sie auf „Peter und Paul“ in der Scheune von Michael Hengsbach an der Oststraße ihr lang ersehntes erstes Schützenfest nach der Wiederbelebung des Schützenwesens in Velmede. Den Vogel schossen die Schützenbrüder in einem Schiefersteinbruch auf dem Weg zur Hammecke ab. Zunächst als rein weltlicher Verein gegründet, stellten sich die Schützen in den Wirren des Vormärz erst 1845 unter den Schutz der Kirche und benannten sich zunächst in „St. Sebastianus- Schützenbruderschaft zu Velmede“ um. Auf Drängen des Ortspfarrers Franz Padberg kam es 1869 zu einer erneuten Umbenennung in „St. Andreas-Schützenbruderschaft zu Velmede“. Als Gegenleistung schenkte er den Andreas-Schützen eine neue Andreasfahne, die ihnen bis 1966 in den Festzügen als Vereinsfahne vorangetragen wurde.
In den Jahren des Kulturkampfes widersetzten sich die Velmeder Schützenbrüder wiederholt den strengen gesetzlichen Vorgaben durch die preußische Bezirksregierung in Arnsberg. Trotz hoher Strafen nahmen sie mit ihren Fahnenabordnungen und uniformiert wiederholt an den kirchlichen Prozessionen teil und weigerten sich, ihre Bindung zur Kirche aufzugeben. Seit einigen Jahren feierten die Velmeder ihre Schützenfeste bereits in einem Lakenzelt auf einem Kirchengrundstück gegenüber der alten Schule. 1872 hatte der amtierende Schützenkönig August Macke der Bruderschaft eine neue Königskette geschenkt, die bis heute von den Schützenkönigen getragen wird. 1879 wurde an der Straße nach Föckinghausen an „Kuhren Strülleken“ eine neue Vogelstange errichtet.
1891 erfüllte sich dann ihr Wunsch, eine eigene Schützenhalle zu erbauen. Diese stand von Anfang an auch der Kirchengemeinde und örtlichen Vereinen für ihre Feste zur Verfügung. Hier trainierten nun die Turner, die Sänger des Männergesangvereins nutzten die Halle für ihre Sängerfeste, die Theatergruppe führte alljährlich erfolgreich ihre Stücke auf und der Kriegerverein nutzte sie für die beliebten Kriegerfeste. Mit großzügigen Spenden unterstützen die Schützenbrüder den Innenausbau der St. Andreaskirche, die Anschaffung einer neuen Glocke und den Einbau neuer Kirchenfenster. Bis zum Beginn des 1. Weltkriegs blühte das Schützenwesen, getragen von der patriotischen Stimmung der Kaiserjahre, auf. Mit Beginn des 1. Weltkriegs 1914 kam es dann fast völlig zum Erliegen. Während der Kriegsjahre unterstützten die Schützen mit Hilfsgeldern dennoch die Witwen der gefallenen Schützenkameraden und spendeten für die „Kriegermission“ am Bestwiger Bahnhof.
Im Juli 1919 trafen sich die Schützenbrüder zu einer außerordentlichen Generalversammlung, um die Weiterführung der Schützenbruderschaft zu beraten und ein Schützenfest zu planen, das am 31. August gefeiert wurde. 1921 gründete sich in Bestwig der Schützenverein Bestwig. Die überwiegende Mehrheit der ca. 50 Mitglieder waren Bahn- und Postbeamte. Sie feierten ihre Feste in einem „Tanzzelt“ auf „Göbels Kämpchen“. Nur elf Jahre bestand dieser Schützenverein, bis er sich im Januar 1932 mit der Schützenbruderschaft Velmede zusammenschloss. Diese hatte sich bereits 1928 ein neues Statut gegeben und führte nun den Vereinsnamen „Schützenbruderschaft Velmede e.V. 1826“. Ihre Kirchenbindung hatte sie wegen ständiger Auseinandersetzungen mit dem Kirchenvorstand über den bestehenden Pachtvertrag und die Ablehnung des Antrags auf Vergrößerung der Schützenhalle durch die Kirchengemeinde aufgegeben.
Während der Hauptversammlung 1928 wurde der Bau einer neuen Schützenhalle im „Schacht“ beschossen. Die politische Gemeinde hatte dieses Grundstück für den Bau einer „Volkshalle“ zugesagt, die allen Bürgerinnen und Bürgern von Velmede- Bestwig zur Verfügung stehen sollte. Im Februar 1932 begannen die Bauarbeiten des ehrgeizigen Vorhabens, denn die neue Schützenhalle sollte bereits am 2. Juli 1932 zum Schützenfest fertiggestellt sein. Gleichzeitig wurde der Standort der Vogelstange an den Ostenberg verlegt.
Die dunklen Jahre der Hitler- Diktatur veränderten das Schützenwesen auch in Velmede-Bestwig schon bald nach der Machtübernahme im Jahr 1933. Da die Schützenbrüder kein „Treubekenntnis zum Führer“ ablegen wollten und sich zunächst gegen die Gleichschaltung auflehnten, wurde die Tätigkeit eingeschränkt. 1935 kam es zur Gleichschaltung und die Schützen mussten sich dem „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“ anschließen. Anstelle der Traditionsfahnen musste die Fahne des Reichsbundes als Schützenfahne bei Festumzügen den Schützen vorausgetragen werden, aus Schützenbrüdern wurden Schützenkameraden, aus dem Brudermeister der Vereinsführer, die Ausübung von regelmäßigem Schießsport war verpflichtend. Die NSDAP forderte die Umbenennung in „Schützenverein Velmede/Bestwig gegr. 1826“ und die Annahme der nationalsozialistischen Einheitssatzung.
Mit Beginn des 2. Weltkriegs erlosch jegliche Tätigkeit der Schützen in Velmede-Bestwig. Beim Durchmarsch der amerikanischen Truppen wurde die gerade erst erbaute Schützenhalle unter Feuer gelegt und brannte am Weißen Sonntag 1945 mit allem Inventar nieder. Zur Neubelebung kam es am 21. September 1947 im Kinosaal des Gasthofs Hegener in Bestwig. An diesem Abend wurde der Bau einer neuen Schützenhalle beschlossen. Die neue „St. Sebastianus- Schützenbruderschaft zu Velmede“ wechselte schon bald erneut den Vereinsname in „St. Andreas-Schützenbruderschaft“ und begann 1949 mit dem Wiederaufbau der Halle am gleichen Ort. Bereits am ersten Septemberwochenende 1949 konnte dort das erste Nachkriegsschützenfest gefeiert werden.
(Wolfgang Rinschen, 1.Schriftführer, 2026)
